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Tunesien

Die Tunesische Republik (الجمهورية التونسية, al-Jumhūrīyah at-Tūnisīyah), kurz Tunesien, ist ein Staat in Nordafrika, der an das Mittelmeer, Algerien und Libyen grenzt.

Politik
Tunesien ist eine Republik, die durch eine einzige politische Partei beherrscht wird. Die einzige an der Regierung beteiligte Partei war 25 Jahre lang auch die einzige zugelassene Partei. Sie beherrscht noch heute das politische Leben. Der Präsident wird auf fünf Jahre gewählt. Regionale Gouverneure und lokale Verwalter werden ebenfalls durch die Zentralregierung ernannt; beratende Bürgermeister und städtische Räte werden gewählt.

Tunesien Landkarte 
 

 

 Die Justizgewalt ist unabhängig, reagiert aber auf Empfehlungen der Exekutive, besonders in politischen Fällen.
Tunesien verfügt nur über ein schwaches Militärwesen, das überwiegend mit der Überwachung der Grenzen des Landes betraut ist. Als Absicherung des Landes gilt ein Abkommen mit Frankreich, Tunesien in einem Angriffsfall zu verteidigen. Diese Verfahrensweise entstand aus der Einschätzung, dass Tunesiens Hauptbedrohung im Inland liegt. Tunesien verfügt über ein sehr gut ausgebautes Netz aus regionalen Polizeibehörden, Bundespolizeibehörden und polizeilichen Sondereinheiten, die direkt dem Innenministerium unterstellt sind. Tunesiens offene, europäisch orientierte Politik und die auf Tourismus fixierte Wirtschaft sind vielen Islamisten ein Dorn im Auge und bereits Ziel von mindestens einem islamistischen Anschlag gewesen.
Es gibt verschiedene beratende Körperschaften: Staatsrat, Sozial- und Wirtschaftsrat, Konstitutionsrat und den höheren islamischen Rat.

Menschenrechte
Die Meinungsfreiheit in Tunesien gilt als eingeschränkt. Am Fall von Zouhair Yahyaoui wird deutlich, dass bereits Kritik am Präsidenten im Internet zu langen Haftstrafen führen kann. Tunesien hat ein ausgereiftes System für Internetzensur aufgebaut.
 

Geographie
Tunesien ist das nördlichste Land Afrikas, nur 140 Kilometer von Sizilien entfernt, und erstreckt sich zwischen dem Mittelmeer und der Sahara, zwischen 37° 20’ und 30° 10’ nördlicher Breite sowie zwischen 7° 30’ und 12° östlicher Länge. Es ist Bestandteil des Maghreb und mit einer Größe von 163.610 km² weniger als halb so groß wie Deutschland. Die größte Nord-Süd-Ausdehnung zwischen Cap Blanc und der Grenzstation Bordj el Khadra beträgt rund 897 km, die größte Ost-West-Ausdehnung zwischen der Insel Djerba und Nefta etwa 330 km.
Tunesien hat eine ungefähr 1.300 km lange Küstenlinie am Mittelmeer.
Der Nordwesten Tunesiens wird vom Tell-Atlas bestimmt. Parallel zur Nordküste verlaufen von der algerischen Grenze bis zur Bucht von Bizerte die Gebirgszüge der Kroumirie. Daran schließt sich nordöstlich das Mogod-Bergland an, welches im Cap Blanc ins Meer abbricht. Sie sind mit ihrer Höhe von 700-800 m (Kroumirie) und 300-400 m (Mogod) mit bewaldeten Mittelgebirgen vergleichbar. Auf der dem Wind abgewandten Seite des Gebirges schließt sich das Talbecken des Medjerda an, dessen Unterlauf zur wichtigsten Agrarzone des Landes gehört.

 Tunesienkarte

Die Bergrücken der Dorsale verlaufen von Nordost (Cap Bon) nach Südwest (Djebel Chambi, 1.544 m) in einer Länge von 220 km und bilden die Klimascheide zwischen dem mediterranen Norden und dem trockenen Steppenklima Mitteltunesiens.
Östlich der Dorsale entlang der Mittelmeerküste zwischen Hammamet und Skhira, Sousse und Sfax umschließend, liegt der Sahel (arab. für Ufer) genannte Küstenstreifen, der durch regenbringende Ostwinde sehr fruchtbar ist und unter anderem große Olivenbaumkulturen ermöglicht. Diese Kulturlandschaft wird seit der Antike intensiv genutzt.
Südlich der Dorsale schließt sich die Schottsenke (Chott el Djerid, Salzsee) an, die noch weiter südlich in die Wüste Sahara mit dem Großen Östlichen Erg übergeht.
Entlang des Mittelmeeres, etwa von Gafsa im Westen bis zur libyschen Grenze erstreckt sich die Djeffara-Ebene, welche durch das bis zu 600 m hohe Dahar-Bergland vom Erg getrennt ist.

Klima, Flora und Fauna
Tunesien stoßen mediterranes und arides Klima aufeinander. Die Niederschläge nehmen von Nord nach Süd ab und von West nach Ost leicht zu. Es lassen sich unterscheiden:
der winterfeucht-sommertrockene Norden
die vom wechselhaften Klima bestimmte zentraltunesische Steppenregion mit heißen Sommern, kalten Wintern und abnehmenden Niederschlägen
die vom Meer beeinflusste Mittelmeerküste mit ausgeglichenerem Klima
das Wüstenklima südlich der Schotts
Niederschläge fallen fast nur in den Wintermonaten und werden meistens von Tiefausläufern des weiter nördlich gelegenen Westwinddrift herangeführt. Im Sommer liegt das gesamte Land im Bereich der subtropischen Hochdruckzone, welche die Tiefdruckgebiete der Westwinddrift um das Mittelmeer herumleitet.
Jedoch kann es in Ausnahmefällen auch im Sommer zu heftigen Regenfällen kommen, die vorher ausgetrocknete Oueds (Wadi) in reißende Ströme verwandeln.
Mit zunehmender Entfernung vom Mittelmeer weicht sein ausgleichender Einfluss einem kontinentalen Klima. Die extremsten Unterschiede werden in der Sahara mit sommerlichen Temperaturen von 50° C und Bodenfrösten im Winter erreicht.
Unerträgliche Hitze kann der in Tunesien Chehili genannte Saharawind Scirocco bringen.
Während im Norden die jährliche Niederschlagsmenge noch über 400 mm liegt und damit für einen erfolgreichen Regenfeldbau ausreicht, ist im Süden die Verdunstung stärker als die Niederschlagsmenge.

Wirtschaft
Tunesien ist ein Schwellenland mit einer Spitzenposition in Afrika und im Maghreb. Durch das Assoziationsabkommen mit der EU will Tunesien in den Kreis der Industrienationen aufsteigen.
Tunesien ist ein beliebtes Ziel für europäische Touristen, welche in den Küstenorten wie Hammamet, Sousse und Port El-Kantaoui Erholung suchen, die Wüste Sahara im Süden erkunden wollen oder archäologische Fundstellen wie Karthago, nicht weit von der im Norden des Landes gelegenen Hauptstadt Tunis, besichtigen wollen.

Wichtigste Wirtschaftszweige (2002, Anteil am Bruttoinlandsprodukt in %) sind:
Dienstleistungssektor
- Tourismus 7,1 %
- Transport und Telekommunikation 10,0 %
- sonstige Dienstleistungen 37,0 %
Landwirtschaft/ Fischerei 13,0 %
(1/3 aller Beschäftigten)
Industrie
- verarbeitende Industrie 21,0 %
- nicht verarbeitende Industrie 12,0 %

Tunesiens Hauptdevisenbringer sind die verarbeitende Industrie und der Fremdenverkehr (jährlich rund 4 Mio. Auslandsgäste). Letzterer konzentriert sich vor allem auf die Küstenregionen. Bedeutende Touristenorte sind die Regionen um den Golf von Hammamet (Hammamet, Nabeul, Sousse, Port El Kantaoui und Monastir) sowie die Insel Djerba.
Etwa 50 Prozent der Landesfläche werden für intensive Landwirtschaft genutzt. Im fruchtbaren Norden wird vor allem Obst, Gemüse und Getreide angebaut, in Zentraltunesien Datteln und Oliven. Bedeutend ist auch der Weinbau. Tunesien ist außerdem reich an Bodenschätzen wie Erdöl und Phosphaten, die ebenfalls exportiert werden.
Der Süden des Landes mündet in die Wüste Sahara und ist deshalb nach Süden immer weniger bewohnt und wirtschaftlich nutzbar.


Bevölkerung
Der Islam ist in Tunesien Staatsreligion, etwa 98% der Bevölkerung sind sunnitische Muslime. Die größte ethnische Minderheit stellen die Berber dar, deren Anteil jedoch nur mit 0,97 % angegeben wird, da die Berber weitestgehend als arabisiert und angepasst gelten.
Es existieren kleine Minderheiten von Europäern im Norden des Landes, vor allem in der Umgebung von Tunis. In den letzten Jahren kamen weitere Einwanderer aus Afrika, die sich überwiegend im Süden des Landes ansiedelten und dort größtenteils in der Landwirtschaft arbeiten.
Die wenigen Christen sind meist europäischer Abstammung. Auf Djerba leben noch einige muslimische Kharidjiten sowie knapp 1.000 Juden.
Auf der Halbinsel Djerba steht seit wahrscheinlich über 1.000 Jahren die Synagoge "La Ghriba". "La Ghriba" heißt übersetzt so viel wie "Die Bizarre". Der Legende nach ist sie eine der ältesten Synagogen des Judentums. Jedes Jahr, am 33. Tag nach dem Pessach-Fest (zeitgleich mit dem westkirchlichen Ostertermin), findet hier die größte jüdische Wallfahrt Nordafrikas statt. Zu dieser Wallfahrt werden Gläubige aus der ganzen Welt erwartet.

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