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Indien

Indien (Hindi, भारत, Bhārat, englisch: India) ist ein Staat in Südasien. Er umfasst den vom Indischen Ozean umschlossenen indischen Subkontinent, greift aber bis zum Himalaya ins asiatische Festland aus. Indien grenzt an Pakistan, China, Nepal, Bhutan, Myanmar und Bangladesch.
Indien ist nach dem Fluss Indus benannt, die Bezeichnung leitet sich von dem Sanskrit-Wort sindh her, was "Land am Fluss" bedeutet. In Urdu heißt das Land hind, in Hindi Bharat, was auch der amtliche Name der Republik Indien ist. Als Hindustan, "Land der Hindus", bezeichneten die muslimischen Eroberer den Nordteil Indiens.

Indien Landkarte 
 

 

Geographie
Der indische Subkontinent liegt zwischen dem 68. und 98. östlichen Längengrad und erstreckt sich etwa vom 8. bis zum 37. Grad nördlicher Breite. Dieser wird nach Nordosten vom Himalaya-Gebirge begrenzt woran sechs indische Bundesstaaten Anteil haben: Kaschmir, Sikkim, Himachal Pradesh, Uttaranchal, Uttar Pradesh und Arunachal Pradesh. Der höchste Punkt ist der Berg Kanchenjunga mit 8.598 m, dieser erhebt sich im äußersten Westen von Sikkim in unmittelbarer Grenznähe zu Nepal. Der höchste komplett im Land liegende Berg ist die Nanda Devi mit 7.822 Metern. Der tiefste Punkt liegt am Indischen Ozean auf Höhe des Meeresspiegels.
Bekannte Flüsse:
Indus
Ganges
Brahmaputra
Die größte Stadt in Indien ist Mumbai. Früher war sie auch als Bombay bekannt.

Geologie
Indien gehörte bis gegen Ende des Jura zum Südkontinent Gondwana. Erst in der Kreidezeit riss es von der Antarktis ab und driftete in erdgeschichtlich extrem kurzen 50 Millionen Jahren quer durch den gesamten Tethys-Ozean gegen Eurasien, wo sein Aufprall gegen Ende der Kreidezeit den Himalaya schuf und Tibet anhob.
 

Bevölkerung
Indien ist - was die Einwohnerzahl betrifft - nach der Volksrepublik China und vor den USA der zweitgrößte Staat der Erde. 1947 ging die jahrhundertlange Kolonialherrschaft Großbritanniens über den indischen Subkontinent zu Ende. Es entstanden die Staaten Indien mit 340 Millionen Einwohnern und Pakistan mit 70 Millionen Einwohnern. Flüchtlingsströme von mehr als 15 Millionen Menschen waren die Folge nationalistisch-religiöser Ausschreitungen und Vertreibungen; mehr als eine Million Menschen starben. 1951 lebten im damaligen Gesamtstaat Pakistan zirka 13 Prozent Hindus und in Indien zirka 10 Prozent Muslime. Hindus und Sikhs waren dabei aus dem damaligen West-Pakistan fast vollständig vertrieben worden, in Ost-Pakistan (dem heutigen Bangladesch) verblieb andererseits ein beträchtlicher Bevölkerungsanteil von Hindus. Die folgenden Konflikte waren somit vorgezeichnet.

Indien Landkarte 

Am 11. Mai 2000 überschritt Indiens Bevölkerungszahl offiziell die Milliardengrenze. Während es von 1920, damals hatte Indien 250 Millionen Einwohner, 47 Jahre bis zu einer Verdoppelung der Bevölkerung gedauert hat, waren es von 1967 bis 2000 nur noch 33 Jahre. Das Wachstum der Bevölkerung hat sich in den letzten Jahrzehnten nur wenig abgeschwächt und liegt im Moment bei 1,5 Prozent pro Jahr. Die durchschnittliche Lebenserwartung ist relativ gering und beträgt für Männer 63 Jahre (1971 waren es 44 Jahre) und für Frauen 64 Jahre (1971 waren es 46 Jahre). In Deutschland sind es zum Vergleich bei Männern 75 Jahre und bei Frauen 81 Jahre. Indien ist damit eines der wenigen Länder der Erde, wo die Lebenserwartung bei Männern und Frauen fast identisch ist.
Mit einem jährlichen Bevölkerungszuwachs von 15 Millionen Menschen hat Indien im Moment den größten absoluten Zuwachs aller Staaten der Erde. Andererseits liegt der zugehörige relative Zuwachs nur wenig über dem Weltdurchschnitt. Aus den Vergleichen mit den anderen bevölkerungsmäßig großen Staaten der Erde (VR China, USA, Indonesien), die alle bedeutend geringere relative Zunahmen haben, wird deutlich, dass der hohe Bevölkerungszuwachs aus dem der kleineren Staaten resultiert. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen wird Indien in den nächsten Jahrzehnten sein Bevölkerungswachstum kaum abschwächen und die VR China bis zum Jahre 2045 als bevölkerungsreichstes Land der Erde abgelöst haben.
Mehr als ein Fünftel des globalen Bevölkerungswachstums findet zurzeit in Indien statt und die sozialen und wirtschaftlichen Probleme, die sich daraus ergeben, sind gravierend. Schon heute haben 44 Prozent der Einwohner Indiens laut Angaben der Weltbank weniger als einen Dollar pro Tag zur Verfügung und Wasserknappheit gehört schon jetzt zu den größten Problemen des Landes. Eine extreme Binnenmigration, politische Instabilität und eine Stärkung der extremistischen Kräfte können die Folge sein. Nur 16 Prozent der Einwohner Indiens haben Zugang zu sanitären Anlagen und verschmutztes und verseuchtes Wasser ist eine der Hauptursachen für viele Infektionskrankheiten.

Die Versorgungslage hat sich zwar seit Anfang der 1980er Jahre in den ländlichen Gebieten verbessert, doch nur wenige Haushalte verfügen über eine Abwasserentsorgung. Unzureichende Beratung in Fragen der reproduktiven Gesundheit hat zur Folge, dass die Zahl der HIV-Infizierten rapide steigt. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen könnten bis 2010 allein in Indien über zehn Millionen Menschen an der Immunschwächekrankheit leiden. Das Bevölkerungswachstum kann nur dann verlangsamt werden, wenn bedürfnisorientierte Familienplanungsangebote sowie Service- und Beratungsleistungen, die sich an den konkreten Bedürfnissen der Menschen orientieren, angeboten werden.

Nachfolgend sind Einwohnerzahlen Indiens zwischen 1700 und 2050 aufgeführt. Die Zahlen für 2025 und 2050 sind eine Prognose.

Sprachen
In Indien werden mehr als 1.600 Sprachen gesprochen. Neben den überregionalen Amtssprachen Hindi und Englisch gibt es folgende 20 regionale Amtssprachen: Assamesisch, Bengali, Bodo, Dogri, Gujarati, Kannada, Kashmiri, Konkani, Maithili, Malayalam, Manipuri, Marathi, Nepali, Oriya, Punjabi, Santali, Sindhi, Tamil, Telugu und Urdu.
In letzter Zeit gab es Versuche, den Gebrauch des Sanskrit, welches ebenfalls eine Amtssprache ist, wiederzubeleben. Das Central Board of Secondary Education (CBSE) hat in den Schulen, die es reguliert, Sanskrit zur dritten der unterrichteten Sprachen gemacht. In diesen Schulen ist der Sanskritunterricht für die fünften bis achten Schulklassen obligatorisch.
Von den 23 Verfassungssprachen gehören sechzehn der indoarischen, vier der dravidischen (Telugu, Tamil, Kannada und Malayalam), eine der austroasiatischen (Santali) und eine der tibetobirmanisch bzw. sinotibetischen Sprachfamilie (Manipuri) an. Erschwerend wirkt sich der Umstand aus, dass die meisten der Sprachen unterschiedliche Schriftsysteme aufweisen. Während Telugu, Tamil, Kannada, Malayalam, Gujarati, Oriya, Punjabi durch eine jeweils eigene Schrift charakterisiert sind, verwendet man für Hindi, Marathi, Nepali, Konkani und Sanskrit eine Schrift, für Bengali, Assami und Manipuri eine weitere sowie für Urdu, Kaschmiri und Sindhi eine dritte, wobei sich jedes der drei von verschiedenen Sprachen verwendeten Schriftsysteme durch ergänzende, sprachlich bedingte Sonderzeichen weiter unterscheidet. Indien ist damit das Land mit den weltweit meisten Amtssprachen.

Über die Beibehaltung des Status des Englischen als Amtssprache wird alle 15 Jahre neu entschieden. Englisch gilt weiterhin als Prestige-Sprache und wird nur von einer privilegierten Minorität der Bevölkerung fließend gesprochen. Wenn sich Menschen unterschiedlicher Sprachgemeinschaften begegnen, sprechen sie – im Norden – entweder Hindi oder Englisch miteinander, im Süden eine der drawidischen Sprachen oder Englisch.

Religionen
Die Religionen verteilen sich wie folgt: 81 % Hindus, 13 % Moslems, 1 % Buddhisten, 2 % Sikhs, 0,5 % Jainas und 2,5 % andere: Christen unterschiedlicher Konfessionen (Thomaschristen), Baha'i und Parsen).

Ungefähr 25 Prozent der indischen Bevölkerung werden zu den sog. Kastenlosen gerechnet, sieben bis acht Prozent zählen zu den indigenen Völkern Asiens (Adivasi). Soweit sie sich resistent erwiesen gegenüber den Missionsversuchen der großen Religionen, haben sie noch ihre eigene, jedoch nicht explizit ausformulierte oder schriftlich kodifizierte Religion bewahrt. Die indigenen Völker Indiens haben einiges mit dem Hinduismus gemeinsam, so u.a. der Glaube an die Reinkarnation, eine polytheistische Glaubensform und eine Art von Kastenwesen. Die am häufigsten vorkommende Religion in Indien ist der Hinduismus.

Menschenrechte
Die indische Verfassung garantiert all ihren Bürgern grundlegende Bürger- und Menschenrechte. Trotzdem werden in Indien zahlreiche dieser Bürgerrechte verletzt, und Polizei und Sicherheitskräfte genießen häufig Ungestraftheit. Opfer von Menschenrechtsverletzungen in Indien sind aufgrund der sozialen Strukturen häufig indigene Stämme (Adivasi), Kastenlose oder Angehörige der niederen Kasten, Invaliden, Frauen und religiöse Minderheiten.
Bei der Teilung Indiens in 1947 und beim Bangladesch-Krieg in 1971 kam es zu den zahlenmässig grössten Menschenrechtsverletzungen in Indien und auf dem indischen Subkontinent im 20. Jahrhundert.
Religiöse Unruhen kommen in Indien relativ häfig vor, besonders zwischen Muslimen und Hindus. Im Aufruhr vom Bundesstaat Gujurat im Jahre 2002 wurden nach dem Auffinden von 59 verbrannten Hindu-Pilgern in einem Zug durch eskalierende Gewalt insgesamt ca. 2000 Moslems getötet. Die Landesregierung von Gujurat versagte dabei, die Täter zur Verantwortung zu ziehen.
In Anit-Sikh-Krawallen im Jahre 1984, ausgelöst durch die Ermordung Indira Gandhis durch eigene Sikh-Leibwächter, wurden mehr als 3000 Sikhs getötet.
In Kashmir wurden seit 1989 über 29'000 Zivilpersonen von Terroristen getötet, was zu der Auswanderung von über 300'000 Hindus (Kashmiri Pandits) führte.
In Bhopal wurde 20 Jahre nach dem Auslaufen von giftigem Gas aus der Pestizidfabrik vom amerikanischen Union Carbide Corporation (UCC) der Ort immer noch nicht bereinigt, sodass giftige Gase weiterhin die Umwelt und das Grundwasser verseuchen. Beim Auslaufen der giftigen Gase 1984 sind binnen Tagen 7000 Menschen gestorben, 15000 weitere starben im Laufe der Jahre an den Folgen, während tausende unter chronischen und lähmenden Krankheiten leideten. Kompensation oder angemessene Hilfe wurden für die Opfer verweigert, es wurde keiner je zur Verantwortung gezogen. UCC und die indische Regierung einigten sich nur auf eine unzureichende und nie völlig ausgezahlte Schadenszahlung der UCC.
Es gibt heute in Indien eine große Zahl an lokalen Organisationen, die die Menschenrechtslage streng kontrollieren. Diese Organisationen werden jedoch in der Gesellschaft oft ausgeschlossen bis hin zu gewalttätigen Übergriffen.
Obwohl die indische Verfassung auch die Beseitigung des Kastensystems vorsieht und seit der Unabhängigkeit beträchtliche Bemühungen unternommen wurden, die unteren Schichten zum sozialen Aufstieg zu verhelfen, führt es in Indien nach wie vor manchmal dazu, dass es schwierig ist, einen schon bei der Geburt vorgezeichneten Lebensweg zu verlassen. Um dem entgegenzuwirken, wird in Indien die "positive Diskriminierung" betrieben. Danach sind in Universitäten und berufsbildenden Institutionen bis zu 50% der Plätze für die "schedule class", für Angehörige der unteren Kasten, reserviert. Dabei wird oft der Qualitätsverfall und die Benachteiligung der nicht-"schedule-class" kritisiert.


Politik
Indien ist eine parlamentarische Demokratie und damit die größte Demokratie der Erde. Das indische Parlament besteht aus zwei Kammern: dem Unterhaus (Lok Sabha) und dem Oberhaus (Rajya Sabha). Einen Überblick über die vielfältige Parteienlandschaft des Landes liefert die Liste politischer Parteien.
Während des Unabhängigkeitskampfes bildete sich der Nationalkongress, der die Kolonialherrschaft der Engländer beenden sollte. Nach der Unabhängigkeit 1947 wurde die Kongresspartei (Symbol: Handfläche) stärkste Partei und bildete mit Jawaharlal Nehru die erste Regierung. Bis Mitte der 1990er Jahre dominiert die Kongresspartei meist unter Führung der Nehru-Gandhi-Familie, mit nur zwei kurzen Unterbrechungen, die Politik des Landes.
Erst dann gelang es der Indischen Volkspartei (BJP, Symbol: Lotusblüte) mit nationalistischen Parolen und dem Marsch auf Ayodhya, infolge dessen es im ganzen Land zu Ausschreitungen und Übergriffen (vor allem gegen Muslime) mit vielen Toten kam, die langandauernde Dominanz der Kongresspartei zu brechen. Die polarisierende und pro-hinduistisch ausgerichtete Politik der BJP steht ganz im Zeichen der nationalistischen Hindutva-Bewegung, die - auch unter Beteiligung von paramilitärischen Gruppen, wie dem Nationalen Freiwilligencorps (Rashtriya Swayamsevak Sangh, kurz RSS) - die Hinduisierung Indiens und in ihren extremen Auswüchsen die Vertreibung der muslimischen und christlichen Bevölkerung zum Ziel hat.
Nach einem Anschlag auf einen Zug mit Pilgern im Jahre 2002 begannen Massaker in Gujarat, die von der dort regierenden BJP nur halbherzig bekämpft wurden. Diese Unruhen haben dann doch wohl viele moderate Hindus zu einem gewissen Umdenken gebracht, zumal die von der Indischen Volkspartei hochgehaltene Vision eines Shining India ("Strahlendes Indien") weite Teile der Bevölkerung, die nicht vom Boom der letzten Jahre profitierten, ob der hochgesteckten Ziele eher skeptisch werden ließ.
Bei der Parlamentswahl 2004 erzielte die oppositionelle Kongresspartei unter Sonia Gandhi einen unerwarteten Sieg. Überraschend für ihre Parteienkoalition lehnte sie es ab, den Posten des Premierministers zu übernehmen, Manmohan Singh wurde am 22. Mai 2004 als Premierminister vereidigt.

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