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Das Klima
des Irans ist, bedingt durch seine geografische
Ausdehnung, sehr unterschiedlich. Viele verschiedene
Jahreszeiten herrschen gleichzeitig, weshalb es möglich ist,
im Iran alle Gemüse- und Früchtearten anzubauen, abgesehen
von Kakao.
Es überwiegen aride Klimaverhältnisse, regional liegen die
Niederschläge aber bei 2.000 mm im Jahr.
Vegetation
53 % Wüste, 27 % Weideland, 9 % Ackerland (gut 1/3
bewässert), 11 % Wald.
Die Wälder sind zumeist übernutzt, zwischen Elburs-Gebirge
und Kaspischem Meer finden sich aber großflächige Urwälder
der Buche, die sich in dieser Ausdehnung nur im äußersten
Osten des Buchenareals erhalten haben.
Bevölkerung
Die Bevölkerung Irans (69 Millionen - Stand Juli 2004) setzt
sich zusammen aus ca. 51 % Persern, ca. 24 %
Aserbaidschanern, ca. 7 % Kurden, 8 % Gilaki und Mazandarani,
ca. 3 % Araber, 2 % Turkomanen, 2 % Luren und 2 % Belutschen
und einigen kleineren Minderheiten, wie christliche
Armenier, Assyrer und Georgier.
Daneben leben im Iran zahlreiche Flüchtlinge: 2 Millionen
aus Afghanistan und 203.000 aus dem Irak.
20.000 Iraner befinden sich als Flüchtlinge im benachbarten
Irak.
Zu den größten Städten (über 700.000 Einwohner) zählen
Teheran (7,1 Mio.), Mashhad (2,3 Mio.), Isfahan (1,5 Mio.),
Karaj (1,4 Mio.), Täbris (1,4 Mio.), Schiraz (1,2 Mio.), Qom
(1,0 Mio.), Ahwas (850.000) und Kermānschāh (770.000).
Sprachen
Amtssprache des Irans ist Neupersisch, lokal auch Farsi
genannt. Sie ist eine indogermanische Sprache und zugleich
die Wichtigste unter allen iranischen Sprachen, die
gemeinsam mit den Indischen Sprachen den Ostindogermanischen
Sprachast bilden. Persisch ist in der Entwicklung ihrer
Grammatik, sprich in der Vereinfachung, sogar noch weiter
vorangeschritten als das Englische. Persisch ist zwar die
einzige Amtssprache des Irans, die etwa von 58 % der
iranischen Bevölkerung gesprochen wird, sie ist jedoch nicht
die alleinige Landessprache. Der Anteil der
Aserbaidschanisch-, und Turkmenisch-Sprecher wird mit 26 %
beziffert; Kurdisch mit 9 %; Lurisch mit 2 %; und andere,
darunter Arabischsprecher, mit 1 %.
Iranische Sprachen: Persisch (Dari), Lorī, Kurdisch,
Belutschi, Tajik
Turksprachen: Aserbaidschanisch, Turkmenisch.
Armenisch
Religion
Der schiitisch/safawidische Islam ist Staatsreligion. Knapp
95 % der Bevölkerung sind Muslime (89 % Shiiten, 5 %
Sunniten und 1 % andere muslimische Gruppen, vorwiegend
Kharidschiten und Sufis). Daneben gibt es orientalische
Christen (1.500.000), Anhänger der armenisch-apostolischen
Kirche (500.000), assyrische Christen (500.000), syrische
Christen (300.000), Kopten (100.000), andere Christen
(100.000), Juden (150.000), Parsen (480.000), Mandäer
(218.000), Jesiden (55.000), Sikhs (20.000), Drusen (82.000)
und ca. 300.000 der im Iran als ketzerisch bezeichneten
Baha'i, deren nach dem Islam entstandene Buchreligion im
Iran nicht als solche anerkannt wird, was teils blutige
Pogrome und Hinrichtungen zur Folge hat.
Geschichte
Der heutige Staat Iran (Iran bedeutet in den westiranischen
Dialekten soviel wie Land der Arier; das ostiranische
Äquivalent dazu ist Aryana) befindet sich auf dem Gebiet,
das man im deutschen Sprachgebrauch lange als Persien
bezeichnet hat. Die geografische Lage zwischen dem Kaukasus
im Norden, der Arabischen Halbinsel im Süden, Indien und
China im Osten und Mesopotamien und Syrien im Westen ließen
das Land zum Schauplatz einer wechselvollen Geschichte
werden.
Im persischen Großraum führt die Geschichte vom Reich der
Meder zum Perserreich der Achämeniden (Kyros II. der Große
bis Dareios III.) über Alexander den Großen zu den Parthern
und Sassaniden. Seit dem Mittelalter folgten auf das
islamische Kalifat, welches das Sassanidenreich zertrümmerte
(siehe Islamische Expansion), verschiedene
einheimisch-persische, mongolische und türkische Dynastien
bis zu den Safawiden, Kadscharen und dem heutigen Staat
Iran.Der Iran trat als Monarchie mit einem Schah als
Oberhaupt und bald auch mit einer eigenen, freien Regierung
in die Neuzeit ein.
Mit Reza Schah Pahlavi (Reza Chan) begann 1921 unter dem
Einfluss von Großbritannien eine politische Neuorientierung
Persiens in Richtung Westen. Dabei nahm der Kontakt zwischen
Herrscher und Volk immer mehr ab. Die Unzufriedenheit im
Land stieg. Die Wut konzentriert sich zunächst auf
Großbritannien.
Ein Zweckbündnis mit Deutschland und das erstarkte
Selbstverständnis des neugeordneten Staates veranlassten den
Schah, die internationale Staatengemeinschaft aufzufordern,
den seitens der Briten hartnäckig als "Persia" bezeichneten
Iran als IRAN zu bezeichnen; dem Landesnamen, unter welchem
es den Persern seit Jahrhunderten ein Begriff war. Durch den
mit dem Öl verknüpften Reichtum entwickelte sich Iran zur
Regionalmacht.
Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es 1951, unter der Regierung
Mohammed Mossadeghs, zu einer Verstaatlichung der
Ölindustrie. Auslöser war die britische BP, die das
Ölgeschäft im Iran beherrschte und die sich in Verhandlungen
strikt weigerte ihre Gewinne aus dem Ölgeschäft hälftig mit
dem iranischen Staat zu teilen. In der Folge kam es zum
internationalen Boykott des iranischen Öls, allen voran
durch die USA und Großbritannien, was im weiteren Verlauf zu
einer Wirtschaftskrise und zum Staatsdefizit führte. Trotz
dieser Ergebnisse wählte das Parlament später in
demokratischer Wahl Mossadegh zum Präsidenten des Landes.
Der 1941, ursprünglich gegen den Willen der USA, als
Nachfolger seines Vaters ins Amt gekommene Schah, Mohammad
Reza Pahlavi, der Sohn Reza Schahs, stellte sich mit
Unterstützung der USA gegen Mossadegh und sprach sich für
ein Handelsabkommen mit den USA aus. In diesem sollten
Ölförderrechte an US-amerikanische Unternehmen übertragen
und dem Iran 50 % des Gewinns aus dem Ölgeschäft
zugesprochen werden (mit der britischen BP waren es ca. 5
%). Mossadegh weigerte sich, da er den mit dem Öl
verbundenen Reichtum des Iran im Lande behalten wollte. Es
kam zu Unruhen und Spannungen zwischen Shah und Mossadegh.
Letzterer hatte jedoch großen Rückhalt im Volk, was den
Schah veranlasste, auf dem Höhepunkt der Krise im August
1953 das Land zu verlassen.
Dennoch organisierten monarchistische Kräfte unter Führung
des Generals (i. R.) Fazlollah Zahedi einen Staatsstreich
(militärisch unterstützt von den USA) und holten den Schah
wieder zurück an die Macht. Die damalige Regierung, mit
Zahedi als Ministerpräsident, schloss neue Verträge mit den
USA ab. Diese hielten bis zur ersten Ölkrise, hervorgerufen
durch deutliche Preiserhöhungen des Irans, an. Schah
Mohammad Reza Pahlavi (1941-1979) leitete zwar die "weiße
Revolution" ein, verlor aber in der Folgezeit seiner
Herrschaft zunehmend den Kontakt zum Volk. Anfang 1979
musste er infolge einer islamischen Revolution endgültig den
Iran verlassen.
Der Schiitenführer Ruhollah Chomeini kehrte aus dem
französischen Exil zurück, etablierte sich als oberste
Autorität des Staates und transformierte das Kaiserreich
Iran bzw. Persien (offizielle Bezeichnungen des Landes bis
1979) in eine Islamische Republik. Seine Politik war geprägt
durch eine fundamentalistische, stark antiwestliche Linie.
Von 1980 bis 1988 befand sich das Land in einem Krieg
(erster Golfkrieg), nachdem der Irak das Land angegriffen
hatte. Die anhaltende internationale Isolation des Irans
lockert sich erst Ende der 1990er.
Seit 2005 ist der Iran zusammen mit Indien, Pakistan und der
Mongolei Beobachter bei der Shanghai Cooperation
Organization (SCO).
Politik
Seit der Revolution von 1979 ist der Oberste Rechtsgelehrte
("Revolutionsführer") entweder der Rahbar (i. e. Führer)
oder in seiner Abwesenheit ein Rat religiöser Amtsträger.
Der Revolutionsführer, seit 1989 Seyyed Alī Chāmene'ī, hat
die uneingeschränkte Macht und ernennt die obersten Richter
(alle Prediger) und ist auch Oberkommandierender der
Streitkräfte. Er wird vom Expertenrat auf Lebenszeit
gewählt. Dieser wird wiederum alle acht Jahre vom Volk
gewählt, wobei der Wächterrat die Kandidaten genehmigen
muss.
Das Staatsoberhaupt des Irans ist der Präsident (seit 1997
Mohammad Chātemī). Er wird in allgemeinen Wahlen für eine
4-jährige Amtszeit bestimmt und ist gleichzeitig
Regierungschef. Der Präsident ernennt die Mitglieder des
Kabinetts und steht diesem auch vor. Er koordiniert die
Regierungsarbeit und legt dem Parlament die
Regierungsvorlagen vor. Die Macht von Präsident, Regierung
und Parlament ist jedoch stark beschränkt, denn alle zu
wählenden Kandidaten und alle Gesetze müssen vom Wächterrat
bestätigt werden. Zudem hat in allen Fragen das letzte Wort
der Revolutionsführer.
Der Wächterrat besteht aus 6 religiösen Geistlichen und 6
weltlichen Rechtswissenschaftlern. Die Geistlichen werden
vom Revolutionsführer ernannt. Ihre Aufgabe ist es, jedes
Gesetz auf seine Konformität mit den islamischen Prinzipien
hin zu überprüfen. Die Juristen werden vom Obersten Richter,
dem Chef der Judikative ernannt. Ihre Aufgabe ist es, die
Verfassungskonformität legislativer Akte zu überprüfen. Der
Oberste Richter seinerseits wird vom Revolutionsführer
ernannt. Der Wächterrat ist befugt, jedes Gesetz abzulehnen
oder im Nachhinein für ungültig zu erklären, und Kandidaten
die Teilnahme an der Wahl für das Parlament und das
Präsidentenamt zu verweigern. Der Wächterrat entscheidet per
einfacher Mehrheit. Bei gleichen Stimmanteilen hat der
Revolutionsführer das letzte Wort.
In der iranischen Verfassung Artikel § 57 wird die
staatliche Gewalt, Legislative, Exekutive und Judikative,
der religiösen Führung (welayat-e faghi) unterstellt. Alle
drei Gewalten sind somit nicht autonom in ihren
Entscheidungen, sondern abhängig vom geistlichen Führer "Rahbar".
Das iranische Einkammer-Parlament (Islamischer
Konsultativrat; persisch Majles e-Shura ye-Eslami) besteht
aus 290 Abgeordneten, die in allgemeinen, direkten und
geheimen Wahlen für eine 4-jährige Amtszeit gewählt werden.
Wegen der Auswahl des Wächterrates wird das Parlament (außer
von 2000-2003) von den islamisch-konservativen Kräften
dominiert.
Mit dem überraschenden Wahlsieg Mohammad Chātemīs 1997
etablierte sich die politische Bewegung der Reformer im
iranischen Parlament. Sie stehen dem religiösen Machtmonopol
kritisch gegenüber und versuchen, die republikanischen
Elemente des Staates zu stärken. So gelang es Chatemi zu
Beginn seiner Amtszeit, eine Liberalisierung der nationalen
Presse durchzusetzen. Die systemkritischen Stimmen bekamen
dadurch ein öffentliches Organ, um ihrem Reformwillen
Nachdruck zu verleihen.
Das Aufleben der Pressefreiheit dauerte allerdings nicht
sehr lange an. Der Wächterrat macht die Gesetze mit Verweis
auf Unverträglichkeit mit dem Islam rückgängig und
blockierte fortan nahezu alle Reformversuche des Parlaments.
Seitdem sehen sich die Reformer mit großen
Vertrauensverlusten in den reformwilligen
Bevölkerungsgruppen konfrontiert. Die Enttäuschung über die
Ohnmacht des Parlaments führte bei den letzten
Kommunalwahlen (2003) zu sehr geringer Wahlbeteiligung
(Landesschnitt 36 %, in Teheran 25 %) und zu einem klaren
Sieg der konservativen Kräfte.
Bei den Parlamentswahlen am 17. Juni 2005 könnte vorerst das
parlamentarische Ende der Reformer eintreten, zumal Chātemī
nach zwei Amtszeiten nicht erneut kandidieren darf.
Bei den Wahlen konkurrieren zwei islamistische Fraktionen
miteinander. Auf der einen Seite die "Rechtsislamisten": Sie
bezeichnen sich selbst als Osulis, das heißt
Fundamentalisten, und favorisieren Ali Akbar Velayati, der
jedoch als "Unabhängiger" kandidieren will. Ebenfalls zum
Lager der "Rechtsislamisten" wird Alī Akbar Hāschemī
Rafsandschānī gezählt, der als "Mann der Tat" große
Popularität in der Bevölkerung genießt.
Die zweite Strömung bilden die sogenannten "Linksislamisten".
Als besonders aussichtsreich zählen die Kandidaturen von
Mehdi Karrubi und Dr. Mostafa Moin, ehemaliger Minister für
Wissenschaft, Fortschritt und Informationstechnologie.
Während die Partei der "Kämpfenden Geistlichkeit" (Majmae
Rohaniune Mobares) Mehdi Karrubi unterstützt, wird Mostafa
Moin von der Partizipationsfront des islamischen Iran (Jebheye
Mosharekat Irane Eslami) und der "Organisation der Mojahedin
der islamischen Revolution" aufgestellt. Zu den
reformislamistischen Kandidaten kommt seit dem 9. März 2005
auch Ibrahim Yasdi, Vertreter der Nehsate Asadi.
Zivilgesellschaft und Menschenrechte
Die Zivilgesellschaft hat sich seit der Revolution von 1979
zusehends verstärkt. Während die Situation 1997 mit der Wahl
von Präsident Khatami besser wurde, sich diverse
Nichtregierungsorganisationen gründen konnten und die
Bemühungen schließlich durch die Verleihung des
Friedensnobelpreises im Jahre 2003 an die iranische
Menschenrechtsaktivistin Shirin Ebadi internationale
Anerkennung erfuhren. So sind Todesstrafen, auch für
Personen unter 18 Jahren, oder das öffentliche Auspeitschen
als Beispiele zu nennen. Internationales Recht widerspricht
hier dem Islam, die für Jungen schon ab 15 Jahren und für
Mädchen schon ab 9 Jahren Volljährigkeit und Mündigkeit
festlegt. Im Iran stehen unter anderem auf Vergewaltigung,
Mord, Drogenhandel die Todesstrafe.
Homosexualität widerspricht dem Islam, wobei keine
Todesurteile laut internationalen
Menschenrechtsorganisationen hierfür alleine ausgesprochen
wurden. Für Homosexualität in Verbindung mit Vergewaltigung
wurden in letzter Zeit aber Todesurteile verhängt.
Geschlechtsumwandlungen sind im Iran erlaubt. |