|
Israel (hebr.: מדינת ישראל Medinat Jisra'el, arab.: دولة
إسرائيل Daulat Isrā'īl) ist ein Staat im Nahen Osten, der an
Syrien, den Libanon, Ägypten, Jordanien und an die
staatenlosen israelisch besetzten Gebiete und
palästinensischen Autonomiegebiete grenzt.
Geographie
In der Länge misst das Land vom Norden bis zum Süden 470 km.
Die breiteste Stelle des Landes misst 135 km. Obwohl Israel
nur ein kleines Land ist, hat es mehrere Klimazonen. Im
Norden gemäßigt und bewaldet, ist Israel im Süden heiß und
wüst. 50 % des Landes sind Wüste, wobei die Negev-Wüste die
größte Fläche darstellt. An der Küste zum Mittelmeer und im
Jordantal herrscht subtropisches Klima. Im Jordantal teilt
Israel mit Jordanien den tiefsten Punkt der Erdoberfläche,
die Seeoberfläche des Toten Meeres, eines extrem
salzhaltigen und abflusslosen Sees. |
|
|
Bevölkerung & Menschen
Mit seinen nicht ganz sieben Millionen Einwohnern gehört
Israel zu den kleineren Staaten (94. Stelle). Israel hat
etwas weniger Einwohner als die Schweiz, aber schon deutlich
mehr als Dänemark. In Flächengröße und Bevölkerungsdichte
lässt es sich auch mit dem Bundesland Hessen vergleichen.
Etwa 91 Prozent der israelischen Bevölkerung lebt in
Städten. Die israelische Gesellschaft setzt sich aus
verschiedenen Religionen, Kulturen und gesellschaftlichen
Traditionen zusammen. Die Staatsangehörigkeit wird durch
Geburt oder Einbürgerung erworben. Doppelte
Staatsangehörigkeit ist möglich.
Die Unabhängigkeitserklärung des Staates Israel garantiert
religiöse Freiheit und macht Religionsausübung und
Glaubenszugehörigkeit zur Sache der persönlichen
Entscheidung. Die Religionsgemeinschaften verwalteten ihre
eigenen heiligen Stätten selbst. Gesetzliche Regelungen
garantieren den freien Zugang und schützen vor Entweihungen.
Im Jahr 2001 sind 81 Prozent der israelischen Bevölkerung
jüdischen Ursprungs (In dieser Rechnung ist nicht die
Bevölkerung der besetzten Gebiete enthalten).
Die jüdische Bevölkerung gliedert sich in
Watikim, das sind Bewohner des Jischuw, der alten jüdischen
Siedlung, und solche, die vor der Staatsgründung
eingewandert sind
Olim, nach der Staatsgründung Eingewanderte
Tzabarim, im Land Geborene
Unter der israelischen Bevölkerung haben 26 Prozent
wenigstens einen in Israel geborenen Elternteil, 37 Prozent
sind Israelis der ersten Generation, 27 Prozent sind
Einwanderer aus dem Westen und 42 Prozent aus Asien oder
Afrika, einschließlich der arabischen Länder.
6 Prozent der israelischen Juden bezeichnen sich als
Charedim (ultra-orthodox religiös), weitere 9 Prozent als
"religiös", 34 Prozent bezeichnen sich selbst als
"Traditionalisten" (die sich nicht strikt an die jüdische
Halacha halten) und 51 Prozent als "säkular".
Etwa 2,1 Prozent der Bevölkerung sind Christen. Die Zahl der
nicht-arabischen Christen beträgt 25.400 und die der
Christen arabischer Herkunft 113.100. Von den zusammen
138.500 Christen sind ca. 75.000 Katholiken. |
|
Amtssprachen waren bereits in der Mandatszeit Arabisch und
Hebräisch. Die in dieser Zeit wiederbelebte hebräische
Sprache wird heute von der Mehrheit der Israelis gesprochen.
Arabisch ist daneben die Muttersprache von etwa einer
Millionen arabischer und drusischer Staatsbürger Israels. An
Arabischen Schulen in Israel wird auf arabisch gelehrt. An
hebräischen Schulen wird Arabisch neben Englisch als zweite
Fremdsprache angeboten. Alle Rechtstexte liegen in Hebräisch
und Arabisch vor.
Ein bedeutender Arbeitgeber ist der öffentliche Dienst, wo
33 Prozent der israelischen Arbeitnehmer beschäftigt sind.
In der Industrie arbeiten 17 Prozent, in Tourismus, Handel
und Finanzen 20 Prozent. 28 Prozent sind in anderen
Bereichen (Dienstleistungen usw.) tätig.
Die Lebenserwartung in Israel gehört zu den höchsten der
Welt und beträgt für Frauen 80,9 Jahre und für Männer 76,7
Jahre.
(Zahlen 2003)
Etymologie
Die Volksetymologie des Alten Testaments deutet "Israel" als
"Gottesstreiter" (vergleiche Gen 32,29). Der Name entspricht
einer weit verbreiteten semitischen Namensform, die ein Verb
im Imperfekt und das theophore Element אֵל (Gott) als
Subjekt enthält. Das verbale Element wird in dieser Deutung
als von der Wurzel שרה (streiten, kämpfen) abgeleitet
angesehen. Möglich ist allerdings auch eine Ableitung von
der Wurzel שרר (herrschen). Das hebräische Imperfekt kann
mit dem deutschen Präsens oder der deutschen Wunschform
wiedergegeben werden, so dass sich als mögliche
Übersetzungen ergeben: "Gott streitet (für uns)" oder "Gott
möge (für uns) streiten" und "Gott herrscht" oder "Gott möge
herrschen".
Politik
Der Staat Israel ist eine parlamentarische Demokratie nach
westlichem Vorbild. Das Parlament, die Knesset wurde am 25.
Januar 1949 zum ersten Mal gewählt. Sie wählt den
Staatschef, den Präsidenten für eine siebenjährige Amtszeit.
Der Präsident hat die Aufgabe, den Ministerpräsidenten zu
ernennen. Der Ministerpräsident bildet die Exekutive.
Ministerpräsident ist seit 2001 Ariel Scharon, sein
Stellvertreter in einer großen Koalition war bis 2002
Schimon Peres von der Arbeitspartei. Aufgrund von
Meinungsverschiedenheiten über die Ernsthaftigkeit
palästinensischer Friedens- und Waffenstillstandsvorschläge
verließ die Arbeitspartei Ende 2002 die Koalition. Aus den
Neuwahlen vom Januar 2003 ging Likud als stärkste Fraktion
im Parlament hervor.
Parteien und politische Organisationen
Israel besitzt ein Mehrparteiensystem. Traditionell stehen
sich die zwei großen Parteien, der nationalistische
Likud-Block und die eher links eingestellte Arbeitspartei
gegenüber. Entscheidend für die Mehrheitsbildung sind jedoch
oft die kleineren Parteien, beispielsweise die religiöse
Schas, oder die Nationalreligiöse Partei. Weitere Parteien
sind Meretz und Schinui (laizistisch), zudem existieren
mehrere arabische Parteien.
Aus den stark sozialistischen Anfängen des israelischen
Staats erklärt sich die bedeutende Rolle, die die Histadrut,
der Allgemeine Verband der Arbeiter Israels, im politischen
Leben spielt.
In Deutschland sind die bekanntesten Gruppen der
israelischen Friedensbewegung Gusch Schalom und Peace Now.
Daneben gibt es viele weitere wichtige unabhängige
Menschenrechtsorganisationen wie B'Tselem und MachsomWatch.
Militär
In Israel gelten für Frauen 24 Monate und für Männer 36
Monate Wehrpflicht. Ausgenommen von der Wehrpflicht sind nur
orthodoxe Juden, israelische Araber, alle nichtjüdischen,
schwangeren oder verheirateten Frauen. Rechtlich ist es nur
Frauen gestattet, der Wehrpflicht aus Gewissensgründen nicht
nachzukommen und einen zivilen Ersatzdienst von ein oder
zwei Jahren zu leisten.
Auf die Wehrpflicht folgt ein Monat Reservedienst pro Jahr,
bei Männern bis zur Vollendung des 42. Lebensjahres (oder
des 51. bei Offizieren) und bei Frauen bis zur Vollendung
des 24. Lebensjahres.
Israel verfügt über eine überregional einzigartige
Streitmacht. Die bis zu 200.000 regulären
Wehrdienstleistenden werden von über 800.000 hervorragend
ausgebildeten Reservisten unterstützt, welche auch außerhalb
ihrer Wehrpflichtszeit in häufiger Kooperation mit Armeen
der NATO-Staaten (insbesondere die der USA) an den Übungen
teilnehmen und innerhalb kürzester Zeit mobilisiert werden
können. Israel verfügt über 4000 moderne Panzer und
Panzerfahrzeuge, über 2000 Kampfflugzeuge und Hubschrauber
sowie über eine U-Boot-gestützte Seestreitmacht. Des
weiteren ist Israel als einziger Staat auf der Erde entlang
seiner gesamten Grenzen durch ein effizientes
Raketenabwehrsystem geschützt.
Israel besitzt vermutlich seit 1967 Atomwaffen. 1986 hat
Mordechai Vanunu, ein ehemaliger Techniker des
Atomforschungszentrums von Dimona, in England Fotos dieser
Atomanlage an die Presse weitergegeben, die die Vermutung
stützen. Israel hat den Besitz von Atomwaffen seitdem weder
bestätigt noch bestritten (die so genannte Politik der
"atomaren Zweideutigkeit"), Ende Juli 2004 hat
Premierminister Ariel Sharon indirekt den Besitz von
Atomwaffen zugegeben. Israel, Indien und Pakistan sind die
einzigen Staaten, die den Atomwaffensperrvertrag nie
unterzeichnet haben. Nordkorea ist dem
Atomwaffensperrvertrag zwar 1985 beigetreten, hat aber am
11. Januar 2003 den Austritt erklärt.
Siedlungspolitik
Die jüdischen Siedlungen wurden in den besetzten Gebieten
errichtet und dürfen nur von jüdischen Israelis bewohnt
werden. Etwa 250.000 Israelis leben derzeit in diesen
Siedlungen, im Gaza-Streifen lebten bis zum August 2005 etwa
7000 Israelis zwischen mehr als einer Million
Palästinensern. Die Siedlungen sind oft großzügig nach
amerikanischem Vorbild gebaut. Die Siedlungen werden von
einem massiven Sicherheitsapparat gegen Angriffe militanter
palästinensischer Gruppen geschützt. Ein Netz von Straßen,
die nur von israelischen Bürgern genutzt werden dürfen,
bietet eine gute Verkehrs-Infrastruktur zwischen den
Siedlungen und dem israelischen Territorium. Zugleich
erschwert es die Entwicklung in den palästinensischen
Autonomiegebieten. Der Siedlungsausbau wie auch die ständige
Militärpräsenz machen jährlich einen erheblichen Teil der
israelischen Staatsausgaben aus.
Im August 2005 räumte die Regierung Scharon in einer
Koalition mit der Arbeitspartei sämtliche Siedlungen im
Gaza-Streifen sowie vier kleinere Siedlungen im
Westjordanland. Hierbei handelte es sich um einen
einseitigen Schritt Israels, der nicht im Rahmen der 'Road-Map'
erarbeitet wurde. Aus dem Umfeld Scharons war jedoch auch zu
vernehmen, dass angestrebt werden soll, die größten
Siedlungen im Westjordanland auszubauen. Im Gegenzug sollen
den Palästinensern territoriale Zugeständnisse gemacht
werden.
Von der internationalen Staatengemeinschaft werden die
jüdischen Gemeinden und Siedlungen in den besetzten
palästinensischen Gebieten zumeist als völkerrechtswidrig
verurteilt. Das Völkerrecht gestattet die vorübergehende
Beschlagnahmung von Land in besetzten Gebieten
ausschließlich für militärische Zwecke, nicht jedoch für die
dauerhafte Niederlassung eigener Staatsbürger,
Landwirtschaft und andere zivile Nutzungen. Israel hat eine
eigene Beurteilung der juristischen Lage, steht damit
allerdings bis auf die Tolerierung durch USA international
isoliert da. In verschiedenen Resolutionen haben die
Vereinten Nationen Israel vergebens wiederholt aufgefordert,
den Siedlungsbau einzustellen.
Bei einem großen Teil der Siedler handelt es sich um
Einwanderer, vor allem rechtsgesinnte orthodoxe Juden aus
den USA, aber auch aus Frankreich und anderen Staaten.
Wirtschaft
Israel hat eine technologisch hoch entwickelte
Marktwirtschaft mit hohem Staatsanteil. Israel ist bei
fossilen Energieträgern (Rohöl, Erdgas, Kohle), bei
Getreide, Rindfleisch, Rohstoffen und militärischer
Ausrüstung von Importen abhängig. Trotz begrenzter
natürlicher Ressourcen hat Israel seinen
landwirtschaftlichen und industriellen Sektor in den letzten
zwanzig Jahren intensiv entwickelt. Mit Lebensmitteln
versorgt sich Israel, abgesehen von Getreide und
Rindfleisch, weitgehend selbst. Israel besitzt bedeutende
Kapazitäten bei Erdölraffinerien, Diamantenschleifereien und
in der Fabrikation von Halbleitern. Bedeutende Exportartikel
sind geschliffene Diamanten, Hochtechnologie, militärische
Ausrüstung, Software, Arzneimittel, Feinchemikalien und
landwirtschaftliche Produkte (Früchte, Gemüse und Blumen).
Israel steht meist im Leistungsbilanzdefizit, da durch große
Transferzahlungen aus dem Ausland und durch Anleihen
ausgeglichen wird. Etwa die Hälfte der staatlichen
Auslandsschulden hat Israel bei den USA, seiner Hauptquelle
für wirtschaftliche und militärische Unterstützung. Ein
verhältnismäßig großer Anteil der israelischen
Auslandsschulden wird in Form von Israel Bonds von
Privatinvestoren gehalten. Die Kombination von
amerikanischen Kreditgarantien und direkten Anleihen bei
Privatinvestoren ermöglicht Israel, zu günstigen Zinssätzen
zu leihen, manchmal unterhalb der marktüblichen Zinssätze.
Diese Politik wird auch von der Bundesrepublik geduldet und
unterstützt, um das strategische Ziel der Existenzsicherung
des einzigen jüdischen Staates zu erreichen und um dem durch
die Arabische Liga erzwungenem Wirtschaftsboykott gegen
Israel entgegenzuwirken.
Durch Einwanderungen aus der ehemaligen Sowjetunion kamen
Wissenschaftler und Akademiker ins Land, die für seine
Zukunft von beträchtlichem Wert sind. Der Zustrom, verbunden
mit der Öffnung neuer Märkte nach dem Ende des Kalten
Krieges, belebte Israels Wirtschaft und sorgte während der
1990er Jahre für ein rasches Wachstum. Doch ab 1996 begann
das Wachstum sich zu verlangsamen, als die Regierung eine
straffere Steuer- und Geldpolitik verfolgte und der
Einwandererstrom sich verlangsamte. Dafür sank die Inflation
1999 auf ein Rekordminimum.
|