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Inselfieber

 Die Philippinen - ein abenteuerlicher und faszinierender Archipel, der aus über 7.000 Inseln besteht. Ein Vierteljahrhundert verbrachte der Autor in jenem Land und berichtet von lustigen, dramatischen, auch tragischen Begebenheiten, von Begegnungen mit Menschen, mit Naturgewalten und gefährlichen Tieren. Wer etwas erleben möchte, muss auch Risiken auf sich nehmen können, befindet Hanwald und gibt in diesem Buch gleichzeitig Anleitungen zu ihrer Bewältigung.

Inselfieber 
 

4 von 5 Sternen   Guter Text - schlecht verpackt

Roland Hanewald ist den Philippinen-Kennern bekannt durch den Reiseführer HB-Bildatlas Philippinen (1) beziehungsweise durch das „Philippinen Abenteuer-Handbuch (2). Der Bildatlas überzeugte durch informative Ortsbeschreibungen, hervorragende Illustrationen und eine frische Sprache.
Sein 2004 erschienenes Schmöcker-Bändchen „Inselfieber" ist eine unterhaltsame Sammlung lustiger, dramatischer und tragischer Begebenheiten, auf die er während seiner langjährigen Aufenthalte und Expeditions-Treckings auf den Philippinen stieß. Eindrücklich beschreibt er zum Beispiel seine Schatzsuche auf versunkenen Galeonen nahe der Insel Samar, die Aschenlandschaft um den Mount Pinatubo, den Tauchbesuch eines japanischen Schiffsfriedhofes im Calaminian Archipel, das Ernten von Schwalbennestern auf der Insel Coron oder die Lepra-Station Culion auf Palawan. Nicht nur die Schilderung, wie er einmal des Falschgeldweitergabe beschuldigt wurde, ist fesselnd.

 Seine Fahrten und Wanderungen führten ihn von der nördlichen Dachkammer der Philippinen bis tief in den Süden Mindanaos. Oft begleiten ihn dabei Frau, Kinder und Papagei Knek-Knek. Die Reisen sind alles andere als Sonntagsspaziergänge mit der Familie. Oft gehen sie - fernab von jeglichen Strassen - quer durch den Dschungel oder auf Inseln, die man länger auf der Philippinen-Karte suchen muss. Sie haben in der Regel Expeditionscharakter und liegen insofern vermutlich außerhalb der Reichweite und des physischen Leistungsvermögens des klassischen, vielleicht nur sonnenhungrigen Touristen. Um Städte und Touristenzentren („Nieder mit den Schokoladenhügeln - mögen die Touristen sie plattlatschen (S. 139)" macht der erklärte Öko-Neokonservative und Nicht-Auto-Besitzer im Regelfall einen weiten Bogen. Die Liebe des Autoren gilt eindeutig der unberührten Natur.

Oft im Gegensatz zu seinem „Bildatlas Philippinen - 2001" werden im Schmöker „Inselfieber" die Dinge wesentlich kritischer gesehen. Im Bildatlas „glänzt Puerto Galera noch mit viel heiler Natur, schönen Stränden und Tauchrevieren" und hat „Flair" (S. 22). Jetzt im „Inselfieber" müssen wir von Öde und Bauwut lesen und erfahren: „Der potentielle Kurort wurde zum Hurenort, an den Stränden wurde gekifft und gekokst (S. 230). Die Stadt Cabanatuan - nördlich von Manila gelegen - ist bei Regen „ ein großer, gründlich verdreckter Abtritt (S. 34)".
Die klassischen touristischen Erwartungen werden stark gedämpft. „ Die Philippinen haben auf dem Gebiet der asiatischen Monomentalkultur nichts anzubieten (S.6)" und „ Nur eine Handvoll kleiner Städte auf den Philippinen verdient das Prädikat „malerisch" im Gegensatz zu den üblichen schäbigen Panoramen (S. 168)". Die Stadt Romblon gehört nach Ansicht des Autoren dazu.
Noch ein paar landeskundliche Highlights:

- „ Die Gesellschaftsstruktur des philippinischen Dorfes ist zutiefst sozialistisch .. Einer für alle, alle für einen .. Die Zielsetzungen sind weiterhin personen- nicht leistungsorientiert. (S.12 /13)"
- „Im Fernsehen flimmern Mord und Totschlag über den Bildschirm und auch die Kinos bieten keine Kost, die einem mit einem Fünkchen Verstand begnadeten Menschen zuzumuten wären ( S.55 )"
- „Die landesweite Umweltverschmutzung durch Unterhaltungslärm hat in jüngster Zeit unvorstellbare Maße und massiv neuropathologische Züge angenommen (S. 166)"
- „Ich wüsste keinen Europäer, der jemals in diese „offene" Gesellschaft hineingefunden, geschweige denn sich in sie integrieren lassen hätte .. am allerwenigsten jene Typen mit ausgeprägtem Individualcharakter, denen man bei Fernreisen so oft begegnet. (S. 16)"
Das Taschenbuch ist vom Conrad Stein Verlag schludrig editiert. Kein Bild, keine grafische Darstellung oder Landkarte schmückt das kleine Taschenbuch. Der Text geht bis 5mm an den unteren Seitenrand und Schriftgröße „8" bedeutet für viele Leser Augenqual. Hier hat man sicherlich am falschen Ende gespart. Wollte man denn unbedingt den Preis von 9,90 € halten?

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