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Annamitengebirge: das bergige, dünnbesiedelte Hinterland
Mittel- und Südvietnams ist vor allem Siedlungsgebiet
ethnischer Minderheiten.
Annamitischer Küstenstreifen: der schmale, relativ dicht
besiedelte Küstensaum zwischen dem Gebirge und dem
Südchinesischen Meer in Mittel- und Südvietnam
Mekong-Delta: fruchtbare, dichtbesiedelte Schwemmland-Ebene,
an deren nordöstlichem Rand die Millionenstadt
Ho-Chi-Minh-Stadt (=Saigon) liegt.
Klima
Das Klima unterscheidet sich erheblich zwischen Nord- und
Südvietnam. Der Norden weist ein gemäßigtes tropisches
Wechselklima auf, es gibt eine kühle Jahreszeit von November
bis April und eine heiße von Mai bis Oktober. Der Süden ist
tropisch: warm bis sehr heiß während des ganzen Jahres,
etwas kühler von November bis Januar, heiß von Februar bis
Mai und mit einer Regenzeit zwischen Mai und Oktober. Die
Wetterscheide zwischen diesen Gebieten wird vom Wolkenpass
nördlich von Da Nang gebildet.
Während der Regenzeit wüten häufig Taifune, die besonders im
Mekong-Delta, aber auch in anderen Küstenregionen
verheerende Überschwemmungen anrichten können.
Wichtige Städte
Die zwei mit Abstand wichtigsten Städte sind die Hauptstadt
Hà Nội und die ehemalige Hauptstadt Südvietnams, die
Hafenstadt Thành phố Hồ Chí Minh (Ho-Chi-Minh-Stadt) (von
Einheimischen wieder mehrheitlich mit ihrem alten Namen Sài
Gòn bezeichnet). Während letztere eine der
schnellstwachsenden Boomstädte der Welt ist, hat Hanoi das
Image, ruhiger und eleganter zu sein. In der Tat ist in
wirtschaftlichen Belangen Hanoi gegenüber der südlichen
Metropole recht weit im Hintertreffen.
Weitere wichtige Städte sind die Hafenstädte Cần Thơ, Đà
Nẵng, Hải Phòng und Nha Trang, die in ihrem Stadtbild einen
starken französisch geprägten Einfluss haben, bis hin zu
Kirchen und Villen. Die Stadt Huế als Hauptstadt während der
letzten Kaiserdynastie und die kaiserliche Sommerresidenz Đà
Lạt im südlichen Hochland sind von großer geschichtlicher
Bedeutung und ziehen auch viele Besucher an. Für Touristen
interessant ist auch die Handelsstadt Hội An. Reine
Industriestädte sind hingegen Vinh, Ninh Bình, Mỹ Tho oder
Bến Tre.
Die gesamte Küste ist mit touristisch teils unerschlossenen
Stränden übersät. Beispiele dafür sind Mũi Né, Long Hải und
Vũng Tàu am Südchinesischen Meer sowie Hà Tiên am oder die
Insel Phú Quốc im Golf von Thailand.
Umwelt
Durch den Einsatz von Umweltgiften durch die USA während des
Vietnamkrieges ist die vietnamesische Natur nachhaltig
geschädigt worden. Vor allem der Einsatz von dioxinhaltigen
Herbiziden wie Agent Orange, von dem die US-Luftwaffe etwa
50 Millionen Liter über dem Land versprühte, welches sich
nur sehr langsam zersetzt und eine Halbwertszeit von etwa
einem Jahrzehnt hat, zeigt in großen Landstrichen nach wie
vor seine Wirkung. So wurden während des Krieges etwa die
Hälfte der Mangrovensümpfe zerstört, die sich nicht selbst
regenerieren können. Die entlaubten Hänge im Landesinneren
können nach wie vor nicht aufgeforstet werden, denn es
können sich nur sehr widerstandsfähige Gräser halten, die
während der Trockenzeit sehr anfällig für Flächenbrände
sind. In der Regenzeit kommt es in diesen Regionen daher zu
extrem starker Erosion.
Unter den Spätfolgen des Dioxin-Einsatzes haben nicht nur
jene immer noch zu leiden, die damals direkt damit in
Berührung kamen (Hautverätzungen, Chlorakne, Krebs). Das
Gift fand auch seinen Weg in die Nahrungskette, was, durch
die dadurch verursachte Schädigung des Erbgutes, unter
anderem in signifikant erhöhten Zahlen an Fehl-, Tot- und
Missgeburten seinen Niederschlag findet.
Neben Umweltgiften sind in den ländlichen Gebieten auch noch
eine große Zahl von Blindgängern und Landminen zu finden.
Nach wie vor werden jedes Jahr Bauern und Altmetallsucher
von explodierender Munition getötet oder verletzt.
Millionen Hektar der tropischen Wälder, die zuvor bereits
unter den Herbiziden zu leiden hatten, wurden seit den
1960er Jahren durch Brandrodung und Abholzung zerstört.
Besonders betroffen hiervon ist der teils schwer zugängliche
Norden. Zwar versucht die Regierung dem Einhalt zu gebieten,
aber der Druck der schnell wachsenden Bevölkerung und die
Armut in den Bergprovinzen veranlassen die Leute immer
wieder dazu, Wald niederzubrennen, um Ackerland zu gewinnen.
Tropenhölzer, wie das Teakholz, werden in Vietnam, wie in
ganz Südostasien trotz inzwischen strenger gesetzlicher
Regelungen nach wie vor illegal gewonnen, um daraus Möbel
für den europäischen, US-amerikanischen und japanischen
Markt zu fertigen.
Mit teils großer ausländischer Hilfe werden Programme
durchgeführt, die das Umweltbewusstsein der Vietnamesen
stärken sollen. Regierung und Umweltorganisationen setzen
große Hoffnungen in die Entwicklung des Ökotourismus. Es
wurden bereits mehrere Nationalparks eingerichtet – der
älteste davon schon 1962 –, und einige Landschaften des
Landes stehen auch schon unter besonderem Schutz der UNESCO.
Bevölkerung
Die Bevölkerungszahl Vietnams wird auf etwa 83,5 Millionen
Menschen geschätzt, was in etwa der Bevölkerung Deutschlands
entspricht. Die Bevölkerung ist im Schnitt sehr jung:
Landesweit sind etwa 30% der Menschen unter 14 Jahre alt,
und nur etwa 5% sind über 65. Das Bevölkerungswachstum wird
auf 1,3 bis 1,4 % geschätzt. Die Geburtenrate ist
tendenziell rückläufig, während aufgrund verbesserter
medizinischer Bedingungen die Sterberate ebenfalls sinkt.
Die Lebenserwartung liegt momentan bei 64 Jahren für Männer
und 68 Jahren für Frauen.
Die Mehrheit der Bevölkerung lebt in den dicht besiedelten
Gebieten der Mündungsdeltas von Rotem Fluss und Mekong, in
denen Landwirtschaft vorherrscht. Trotz der agrarischen
Prägung leben bereits rund 25 % der Vietnamesen in den
urbanen Regionen der großen Städte, und die Zuwanderung aus
den wirtschaftlich wenig entwickelten ländlichen Gebieten
(Landflucht) nimmt stetig zu.
Etwa 88% der Bevölkerung sind ethnische Vietnamesen ("Viet",
oder Kinh). Daneben sind 53 ethnische Minderheitengruppen
anerkannt. Die größte davon sind die "Auslandschinesen"
(vietnamesisch: "Hoa"), deren Zahl auf etwa 1,2 Millionen
geschätzt wird. Die Mehrzahl von ihnen sind Nachfahren von
Einwanderern, die 1644, nach dem Zusammenbruch der
Ming-Dynastie, ins Land gekommen waren. Weitere Volksgruppen
sind Thai, Khmer (vor allem im Süden, der Region des
Mekong-Deltas, die über Jahrhunderte zu Kambodscha gehörte)
und die, unter der Sammelbezeichnung "Bergvölker" (Montagnards)
bekannten, Bewohner der Bergregionen. Letztere, die als die
ursprünglichen Bewohner des kontinentalen Südostasien
gelten, wurden im Verlauf der Geschichte in Vietnam,
Thailand, Myanmar und Laos von den zugewanderten
Mehrheitsvölkern aus den fruchtbareren Regionen der
Flussebenen und Küsten in die unzugänglichen Bergregionen
verdrängt. Diese Völker sind bis heute von der
wirtschaftlichen Entwicklung dieser Länder weitgehend
abgeschnitten und leben in vergleichsweiser Armut. Kultur
und Sprache der Minderheiten unterscheiden sich meist sehr
stark von jener der Vietnamesen.
Da Angehörige der "Bergvölker" im Indochinakrieg und im
Vietnamkrieg jeweils auf Seiten Frankreichs bzw. der USA
kämpften, gab es nach der Wiedervereinigung Vietnams
Repressionen gegen diese Völker, und sie sind in der
Gesellschaft teils nicht gut angesehen; Minderheitenvölker,
die auf vietnamesischer Seite gekämpft haben, finden kaum
positive Beachtung.
Der Human Development Index von Vietnam, der neben dem
Wirtschaftswachstum auch die Lebenserwartung und das
Bildungsniveau/Alphabetisierungsrate berücksichtigt, lag
2004 bei 0,69 (Platz 112 von 177 Staaten). Danach ist die
Lebensqualität etwa vergleichbar mit der in vielen
arabischen oder südamerikanischen Ländern. Sie ist besser
als die in den südostasiatischen Entwicklungsländern
(Kambodscha, Laos, Myanmar), reicht aber nicht an die in den
Schwellenländern der Region heran.
Politik
Die erste Verfassung Vietnams wurde im November 1946
verabschiedet. Sie legte die Unteilbarkeit des Landes sowie
die Gleichheit aller Bürger des Landes fest.
Die heutige vietnamesische Verfassung gilt in ihrer Version
vom 15. April 1992. Sie legt fest, dass die
Nationalversammlung als Parlament das oberste repräsentative
Organ ist, welches alle fünf Jahre in freien, gleichen und
geheimen Wahlen bestimmt wird. Die 450 Mitglieder der
Versammlung wählen einen Vorsitzenden und ein Komitee.
Mindestens zweimal jährlich muss die Nationalversammlung
eine Vollversammlung abhalten.
Der Staatspräsident, der Premierminister, der Vorsitzende
des Obersten Volksgerichtes und der Vorsitzende der Obersten
Kontrollbehörde werden von der Nationalversammlung gewählt.
In der Verfassung werden die Kompetenzen von Staatspräsident
und Premierminister bestimmt.
Artikel 4 der Verfassung legt die führende Rolle der
Kommunistischen Partei Vietnams fest. Über die Politik und
die Zukunft des Landes wird daher auf den Parteikongressen
entschieden. Vietnam ist damit eines der wenigen noch
verbliebenen kommunistischen Regimes.
Die Verfassung Vietnams räumt auch allen Bürgern Grundrechte
wie Redefreiheit, Pressefreiheit, Versammlungsfreiheit,
Glaubensfreiheit, usw. ein, obwohl in der Praxis diese
Rechte häufig eingeschränkt werden.
Rechtssystem und Polizei
Die Einführung von marktwirtschaftlichen Reformen hat bald
gezeigt, dass Vietnam Rechtssicherheit und entsprechende
Gesetze braucht, um mehr Investitionen aus dem Ausland
anzuziehen. Seitdem wurden viele Gesetze nach europäischem
oder nordamerikanischem Vorbild erlassen. Die Rechtsprechung
bleibt jedoch schwach, obwohl mit einer Reihe von
ausländischen Organisationen zusammengearbeitet wird, um
mehr Richter besser auszubilden.
In der vietnamesischen Polizei ist aufgrund geringer
Bezahlung die Korruption ein großes Problem. Insbesondere
Ho-Chi-Minh-Stadt ist bekannt dafür, dass Taxifahrer, die
Ausländer befördern, wegen eines erfundenen Deliktes
angehalten werden und bestraft werden, wobei vom Ausländer
erwartet wird, dass er die Strafe übernimmt.
Auf Drogenschmuggel steht in Vietnam, wie in mehreren
anderen asiatischen Staaten auch, die Todesstrafe, womit
verhindert werden soll, dass im Zuge von Doi Moi,
verringerter Kontrolle des Individuums durch den Staat und
fortschreitender Verwestlichung die sogenannten sozialen
Übel um sich greifen.
Militär
Die Vietnamesische Volksarmee hat etwa 480.000 Soldaten. Es
existiert eine allgemeine Wehrpflicht für alle Männer ab der
Vollendung des 17. Lebensjahres. Trotz der großen
Heeresstärke wird die Schlagkraft des vietnamesischen
Militärs als niedrig eingeschätzt, da es mit weitgehend
veralteter Technik ausgestattet ist. In der jüngeren
Vergangenheit war die Volksarmee trotzdem in der Lage, in
Kambodscha die Roten Khmer zu stürzen und die
Strafexpedition Chinas zurückzuschlagen. Der Anteil der
Ausgaben für die Verteidigung am Staatshaushalt beläuft sich
auf etwa 0,5 % bzw. eine Milliarde Dollar.
Sprache und Schrift
Die vietnamesische Sprache wird von fast allen Bewohnern des
Landes gesprochen. Sie gehört aller Wahrscheinlichkeit nach
zur Mon-Khmer-Sprachfamilie und wird heute gemeinsam mit
jener der Muong zu den Viet-Muong Sprachen zusammengefasst.
Während der chinesischen Herrschaft und auch unter
vietnamesischen Feudalherrschern war chinesisch die
offizielle Sprache. Ab dem 13. Jahrhundert wurde das
Vietnamesische auch mit Nom-Zeichen, also chinesischer
Schrift geschrieben. Aus dieser Zeit stammen auch die vielen
Lehnwörter aus dem chinesischen, die man im modernen
Vietnamesisch antreffen kann.
Ab dem 17. Jahrhundert wurde durch französische Missionare
das lateinische Alphabet in die vietnamesische Sprache
eingeführt. Der Jesuit Alexandre de Rhodes (1591-1660)
entwickelte eine Transkriptions-Systematik des
Vietnamesischen, die zur Basis des ab dem späten 19.
Jahrhundert in der Schriftsprache verwendeten, Quoc Ngu
genannten, Alphabets wurde. Um die sechs Töne des
Vietnamesischen darzustellen, wurden dem lateinischen
Alphabet dabei zahlreiche Diakritika hinzugefügt.
Neben der vietnamesischen Sprache sind unter den über 50
Ethnien des Landes noch eine Reihe Mitglieder diverser
Sprachfamilien zu finden. Neben dem Chinesischen sind das:
Mon-Khmer- (Khmer, Mon und 19 weitere Ethien) und
Austronesische Sprachen (Cham, Giarai, Ede u.a.), Thai-Kadai
Sprachen (Thai), Tibeto-birmanische und Hmong-Mien Sprachen
(Hmong, Dao).
Religion
In Vietnam ist eine große Anzahl von Religionen anzutreffen.
Ursprünglich waren unter den vietnamesischen Völkern
Animismus, Polytheismus und Ahnenkulte verbreitet. Viele der
Götter, welche man damals anbetete, existieren auch noch im
heutigen Volksglauben.
Die bedeutendste Religion ist der Buddhismus. Der heute
vorherrschende Mahâyâna-Buddhismus kam im 2. Jahrhundert
über China sowie über die südlichen Reiche Funan (heute
Kambodscha) und Champa nach Vietnam und war die erste fremde
Religion, die in Vietnam Fuß fasste. Neben dem Mahâyâna als
bedeutendster Schule gibt es auch Anhänger des Theravâda
(vor allem unter den Khmer verbreitet), des Zen-Buddhismus
und des Hoa Hao, einer 1939 von Huynh Phu So gegründeten
buddhistischen Tradition.
Die nach der Anhängerzahl zweitwichtigste Religion ist der
Katholizismus. Er kam mit französischen, spanischen und
portugiesischen Missionaren ab dem 17. Jahrhundert ins Land.
Heute existieren in Vietnam etwa 6000 Kirchen, und etwa 7 %
der Bevölkerung bekennen sich zum katholischen Glauben. Seit
dem Ende des 19. Jahrhunderts gibt es auch eine kleine
Gruppen von Protestanten.
Rund zwei Millionen Vietnamesen sind Anhänger des Cao Dai
("Großer Palast"), einer in den 1920er Jahren entstandenen
synkretistischen Religion, die auf spiritistische
Offenbarungen des Gründers Ngo Van Chieu zurückgeht.
Muslime sind vor allem in den Bergregionen Zentralvietnams,
unter den Nachfahren der Cham zu finden.
Nach wie vor finden auch die jahrhundertelangen engen
Verbindungen mit China ihren Niederschlag in der
Glaubenswelt Vietnams; sowohl Taoismus wie auch
Konfuzianismus hinterließen ihre Spuren. Alle diese
Religionen haben in Vietnam eine gewisse Adaptierung an das
Land erfahren, so dass sie in ihren Ausprägungen oft nicht
mit denen in den Nachbarländern Vietnams identisch sind.
Die Anzahl der Menschen, die einer speziellen Religion
zugehören, lässt sich sehr schwer in Zahlen fassen. Erstens
ist Vietnam ein offiziell atheistischer Staat, und die
vietnamesische Regierung ist bis in die 1980er Jahre gegen
Religionen auch offensiv vorgegangen, was mittlerweile nicht
mehr der Fall ist. Des weiteren ist es in Asien nichts
Ungewöhnliches, sich zu mehr als einer Religion zu bekennen.
So findet sich in fast jedem Haushalt ein kleiner Schrein zu
Ehren der eigenen Vorfahren. Die Mehrheit der Bevölkerung
praktiziert eine Mischung aus Buddhismus, Daoismus,
Animismus und Ahnenkult. |